What a difference a day make
Als ich Teenager war, wusste ich nicht, was es bedeutet, jemanden zu lieben. Ich hatte nicht einmal eine Ahnung. Alles, was ich kannte, war das Schwärmen. Aber wie. Das war Leidenschaft pur. Das war das höchste der Gefühle. Man kann sich so sehr in ein Gefühl hineinsteigern, das nicht erwidert wird. Und man kann so wunderschön leiden. Und man gewöhnt sich so sehr an dieses Gefühl, dass man sich das Verliebt sein gar nicht mehr anders vorstellen kann. Ich habe geliebt, so sehr geliebt. Zumindest, wenn man meinem Tagebuch Glauben schenken darf.
Natürlich wusste ich nichts. Und ich wusste auch schon damals, dass ich keine Ahnung hatte. Das machte das Leiden umso größer. Und diese großen Gefühle waren so, so wichtig für mich. Durch sie habe ich mich lebendig gefühlt. Die Erfahrung dieser Gefühle waren manchmal das einzige, was mir das Gefühl gab, „da“ zu sein.
Heute frage ich mich manchmal, ob ich den Kleinen wirklich liebe. Oft fühle ich mich nicht nach einem „Ich liebe Dich“. Dann bleibt es beim „Ich hab dich lieb“. Manchmal zweifle ich. Oder ich liege neben ihm und spüre kein Verlangen. Ich würde es wirklich glauben. Ich würde glauben, dass ich ihn nicht liebe. Wenn mich meine Gefühle nicht immer wieder überraschen würden. Wenn nicht auf einmal mein Herz so groß erscheinen und mich überwältigen würde. So wie heute. Heute liebe ich ihn.
Grundsätzlich
Wie funktioniert das eigentlich mit der Grundsatzdebatte, die einen irgendwann so weit auseinander treibt, dass es nicht mehr geht? Ist es nicht so, dass man immer wieder über die selben Sachen streitet und sie einen irgendwann nicht mehr loslassen? Ist das denn der Anfang vom ENDE?
Bei uns ist es die Zeit. Ich habe das GEfühl, ihm ist alles wichtiger als ich. Was natürlich nicht stimmt. Aber es ist immer die gleiche Leier. Immer ist etwas, das so wichtig ist, dass ich mich freuen darf, wenn zwischendurch mal Zeit für mich ist. Wenn ich mich aber nicht freue, sondern es blöd finde, dass wir uns möglicherweise 2 Wochen nicht sehen. Dann bin ich natürlich unfair. Klaro. Dann bin ich beleidigt und gemein.
Ich fühl mich im Recht, aber ärgere mich darüber, dass ich so unheimlich zickig und muksch bin. Aber ich krieg mich nicht mehr ein. Und bin beleidigt. Und mach ihm das Leben schwer. Aber kann es denn sein, dass ich mich dann immer schuldig fühle und nicht er?
Ich habe in letzter Zeit wieder manchmal das Bedürfnis, mich einfach zu betrinken… Bin ich denn labil? Nee. Ich kann doch meiner Familie nicht recht geben und mir eingestehen, dass ich psychisch nicht ganz fit bin?
Aaaaah Psychofisch.
Irgendwas muss sich ändern. Aber was?
Kriselikriseli
Es kriselt. Das erst Mal seit 1 Jahr und fast 9 Monaten kriselt es. Und Novalee geht der Arsch auf Grundeis. Schlimmer als je zuvor in dieser Verbindung hat sie Angst, dass nun Dinge gesagt und gemacht werden, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können.
Grund: Realität GmbH
Die Realität hat nicht nur Novalee, sondern auch ihren Kleinen eingeholt. Die Zeit ist knapp bemessen und die Vorstellungen von gemeinsamer Zeit gehen auseinander. Das typische, typische, typische Szenario.
Novalee hasst sich selbst dafür, oh ja, sie hasst sich und die Umstände und den Kleinen, der es nicht versteht, weil sie ihm keine Gelegenheit gibt, es zu verstehen, und auch wenn er wüsste, was los ist, müsste sie sich zusammenreißen, müsste sie erkennen, dass auch er Bedürfnisse hat. Die vielleicht nicht immer in ihren Kram passen.
Und was lernst du daraus, Novalee?
Nichts, nichts, nichts. Ich kann daraus nichts lernen. Es wäre nicht ehrlich, daraus zu lernen.
Hä? Muss ich das verstehen? Entspann dich mal.
Verdammt. Es geht nicht. Ich kann mich nicht entspannen. Ich werde immer ein Problem damit haben, wenn ich tagelang nichts von ihm habe, nur noch Nächte neben ihm liegen darf, nur noch am Telefon von ihm höre. Ich kann nicht so. Ich kann das nicht.
Aber es ist doch nur temporär, Novalee. Es wird doch nicht immer so sein!
Wer verspricht mir das denn? Es ist immer etwas. Was er heute tut, hält ihn davon ab, was er sonst tun würde. Vielleicht bin ich nicht mehr wichtig genug. Vielleicht bin ich nicht mehr geliebt genug.
Und das rationale Sushimesser… Es ist da. Es verleitet mich dazu, mich zurückzuziehen. Zu fliehen.
Ich habe den Impuls, ihn nicht sehen zu wollen. Mich zu entziehen. Ihm mich zu entziehen. Aber wird er es merken?
Neulich mal…
Dies entstand vor unbekannter Zeit…
„Hui, so brummig war das Fischköpfchen aber schon lange nicht mehr. Berichte von derartigem Schlafmangel waren eher Seltenheit in letzter Zeit. Überhaupt waren Novalee’s Partyqualitäten doch stark eingeschränkt. Mit ner Beziehung wird man zum Sesselpupser. Jawoll. Kann sich das ändern? Eigentlich fand Novalee das doch sehr bequem. Lange hielt sie es ohne den Kleinen eh selten aus. Und das ärgerte sie. Was war denn aus ihr geworden? Ne Klette. Klettenfisch. Ha. Klettenfische waren ihr sonst immer suspekt gewesen. Außerordentlich. Und nun? Und nun. Die Gleichung ging halt nicht mehr auf. Party = Flirten Aufmerksamkeit & Zuneigung. Letzteres gab’s jetzt beim Kleinen. Flirten fühlte sich nicht mehr so gut an. Wär ja auch bedenklich. Und so blieb die Party wie ein lästiger Beigeschmack. Unnötig. Schlafraubend. Vom Kleinen entfernend. Nicht gut. Aber ohne sie war das Leben auch langweilig. Der Körper nur noch légère – kein Styling mehr. Kein Spaß. Nur schöne Zweisamkeit. Aber gefährlich. Denn was würde passieren, wenn der Kleine ginge, verschwinde, sich trenne…? Dann wäre der Abgrund unter Novalee keine Fata Morgana mehr. Sondern Realität. Und das gestörte Verhältnis von Novalee zur Realität GmbH ist schließlich hinreichend bekannt. Nicht gut. Nicht gut.
Welche besten Freunde würden sie auffangen? Welcher Kellner sie mit seinem stets charmanten Lächeln aufmuntern? Grund genug, dass sich was ändern muss.“
Und so ändert sich. Vieles. In wenigen Tagen.
Sturm vor dem Sturm
Novalee saß in ihrem Aquarium und fragte sich, was mit ihr los war. Schon wieder dieses diffuse Gefühl der Angst, dieses diffuse Gefühl des Verlustes. Dabei war es doch normal. Novalees Leben würde sich in vermutlich sogar weniger als 2 Monaten komplett verändern. Ein neuer Lebensabschnitt wartete auf sie und wieder gesellte sich die Unruhe dazu, die mit der Hoffnung einherging, Altes und Neues zu einem neuen schönen Ganzen zusammensetzen zu können. Allen voran steht der Kleine. Sie liebte ihn abgöttisch und genoss es so sehr, jede Nacht in seiner Nähe sein zu dürfen, Tage des Stresses zu erleben und ihm abends in die Augen schauen zu können. Doch während alle anderen Pärchen zusammenrückten, rückten sie auseinander. Bewusst und sachlich. Sich gegenseitig versichernd, dass es klappen wird. Aber Novalees Angst stieg immer weiter in ihr hoch und sie wünschte sich, bei ihm bleiben zu können, obwohl sie doch ebenso gerne diese neue Umgebung wollte.
Was wird passieren, wenn es nicht klappt? Wenn ihre Unsicherheiten sie dazu bringen, sich entweder immer mehr an ihn zu klammern oder immer weiter von ihm zu entfernen. Novalee stiegen die Tränen in die Augen. Wir sind nunmal kein normales Paar. Wieso sollte ich es jetzt erzwingen? Sie hatten sich in vertrauter Umgebung lieben gelernt. Nun ging sie. Während er blieb. Aber ebenfalls zu bleiben, würde bedeuten, dass sie ihre eigenen Ziele aus den Augen verliert. Das würde weder ihn noch sie glücklich machen.
Es gab noch viel zu tun. Es stand noch ein gemeinsamer Urlaub auf dem Plan. Der sie sicherlich noch enger zusammenschweißen würde. Und dann – von heute auf morgen – wird es heißen: getrennte Lebensräume.
Und so saß sie dort. Und fühlte sich komisch. Und verlor den Mut. Ein wenig.
Das erste Mal
Das erste Mal ist nicht immer etwas Gutes. Mein erster Kuss auf der Toilette mit 8 zählt nicht. Und gut war er auch nicht. Mit 15 kam dann der zweite erste Kuss. Ich war ein Spätzünder. Und der Typ hat gesabbert. Eine Erfahrung, die nach mir sicherlich noch viele machen mussten. Bäh. Das erste Mal Sex war eine Katastrophe. An einem Ort, der denkbar ungeeignet für das erste Mal war. Keine Romantik. Noch nicht mal Lust. Nur der Gedanke Wenn er schon fragt, dann kann ich es jetzt ja auch hinter mich bringen. Schließlich war ich schon so alt, dass ich befürchtete, es niemals zu einer sex-habenden Frau zu bringen. Er hat mir nichts bedeutet. Und ich war froh, als wir gestört wurden und ich ihn in die kalte Nacht verbannen konnte. Der erste One-Night-Stand = Das erste Mal Sex. Alles eine Suppe. Unspektakulär. Der erste Freund. Mit 16. Katastrophe. 3 Monate, davon die Hälfte gehörnt. Super erste Erfahrung. Ach, und übrigens: der erste Sex kam übrigens nach dem ersten Freund. Und nach dem zweiten… ähhöm…
Und nun. Das erste Mal. Das erste Mal die drei Worte sagen. Das allerallerallererste Mal. Es war einer der schönsten Momente in dieser Beziehung, einer der schönsten Momente dieses Lebens. Ich habe lange mit mir gehadert, wann… wo… wie… ob! Es kam mir immer komisch vor. Falscher Zeitpunkt. Falscher Ort, falsche Intention. Aber nun. Kam es, weil es kommen musste. Weil es richtig war und weil es passte und weil ich es mehr als je zuvor gefühlt habe.
Kurz vor’m Match
Deutschland spielt. Na und? Wen interessiert es denn, wenn Novalee mal wieder in einer Krise steckt? Alle. Nur Novalee nicht. Die steckt in einer Krise. Und welche Krise ist es? Die normal zyklisch einmal im Monat auftretende gleiche Sch****. Aber jedes Mal ein Drama. Welche Dinge gehen ihr heute durch den Kopf?
- Liebt der Kleine mich eigentlich wirklich?
- Warum hab ich keine Freunde?
- Warum bin ich immer so zickig und unentspannt?
- Was wird aus meinem Leben werden?
Alles Fragen, die man sich nicht stellen muss. Gut. Nummer 2 ist angesichts der Tatsache, dass Novalee immer viele Freunde gehabt hatte, doch eine interessante Frage. Alles andere ist der besonderen Situation des quasi Absolventen-Daseins geschuldet. Wobei Nr. 1 eine besondere Stellung einnimmt. Es ist der Beweis dafür, dass es so nicht weitergehen kann. Das Klammern. Das Leben-Ausrichten nach dem Kleinen. Das alles.
Novalee schwimmt so langsam wie schon lange nicht mehr. Na und? Früher war sie immer zu schnell. Zu gestresst. Jetzt ist sie langsam. Und gestresst… ist sie auch. Mist verdammter… Der Ehrgeiz ist dabei nämlich leider flöten gegangen. Der Ehrgeiz. Das Was.Erreichen.Wollen. Weg. Weg. Weg. Da kommt Ekel auf. Ekeliger Ekel.
Wunsch nach stillem oZEaN, den sie nicht erträgt
Zu Hause. Heimat. Ruhe. Heimelig. Heimisch.
Zu Hause ist für Novalee mittlerweile ein Begriff, der sich nicht mehr unbedingt positiver Assoziationen bedient. Hui. Stimmen..StimmenStiMMEn. Stell dich nicht so an. Genieß die letzten Monate in studentischer Freiheit. Klammer nicht so. Rede mit ihm. Flipp aus. Lebe. Hör doch nicht auf das Geräusch. Aber es ist da das Geräusch. Und mit ihm. Der Schmerz. Im Kopf. Novalee sieht sich um. In ihrem Aquarium. Und weiß nicht mehr, wo sie hingehört. Alles Statische. Alles Verlässliche. Nicht mehr statisch. Nicht mehr verlässlich. Es dröhnt. Und es wütet. Und es hasst. Und sie klammert sich. An das. Was sie hat. Das einzig Beständige. Paradox. War es doch immer dieser Bereich, in dem es nichts Beständiges gab. Viele Fische im Wasser. Nie einer, der passte. Und nun. Ein kleiner Fisch. Das einzige Beständige? VErrückt. Diese Welt. Sie hatte immer das Gefühl gehabt, vieles im Griff zu haben. Nur die Fische nicht. Und nun ist da dieser Kleine. Und nichts geht mehr. Nur er. Und sie. Und WIE! Aber die Energie. Ist verschwunden. Die Freude außerhalb dieses KleINen Lebensraumes. Wo ist sie? Ist es denn normal, dass Novalee ein Leben mit Fisch aber ohne Freunde lebt? Naja. So ist es ja nun auch nicht!!! Ok ok. Dann eben ohne FreuDE. Flatline. Kaum Emotionen. Schmerzen. Im Kopf. Dröhnen im Ohr. Ungewissheit. Spannende Ereignisse. Ohne Spannung. Eher mit Abscheu vor den großen Schritten. Die einst so natürlich liefen. Und heute fast erzwungen wirken.
Gleich ist er wieder da. Und die Welt um Novalee herum schwindet. Vernebelt. Schwebt und wabert. Mit Realität hat das nichts zu tun.
Aber wie schafft man es, dieses KleinE grOße Glück auf die Ebene der Realität und aus dem Aquarium heraus zu heben???
WUT
WUT in mir. WUT aus mir. WUT strömt. WUT muss endlich raus. WUT sträubt sich.
Dinge, die mich wütend machen.
- Dein Verhalten uns gegenüber ist das Letzte.
- Deine Launen sind unerträglich.
- Die Schuld auf mich zu schieben, kommt dir gerade recht.
- Alles, was du noch für diese Gemeinschaft übrig hast, ist zu maulen und die Stirn zu runzeln.
- Kein Funken Freundlichkeit kommt mehr von dir.
- Du zerstörst alles.
- Du bist ungerecht.
- Dein Selbstmitleid ist zum Kotzen.
- Du bist selbstgerecht und alles liegt immer nur an allen anderen.
- Du missgönnst.
- Du interessierst dich nicht die Bohne für deine Mitmenschen, fragst niemals, wie es ihnen geht, sondern lässt dich fragen, wie es dir geht.
Ich HASSE dich!
Am liebsten würde ich dich aus meinem Leben verbannen. Verrecke!
Shit happens
zum Beispiel, wenn man verlernt, alleine zu sein. ShIT. Dat hatte doch janz jut jeklappt. Und nu isses wieder eingetreten: Das Einsamkeitshypochondersyndrom. Ganz schön dumm. Wie erklärt man nun der nervigen Göre, dass sie selber Schuld ist, wenn sie sich so an den Kleinen hängt. Wenn sie jede freie Minute mit ihm verbringt, alles andere mit Freude vernachlässigt. Und so gerne das Hirn abschaltet, weil es so verdammt einfach ist. Sie schaltet alles andere einfach aus. Weil es anders nicht geht. Glaubt sie zumindest.
Und so dreht sie durch, wenn das Aquarium auf einmal leer ist. Alle vermeintlichen „Hobbies“ verschwinden. Nichts mehr da, das sie tun könnte. Nichts mehr, nach dem ihr Körper oder Geist verlangt. Und so verplempert sie die Zeit und wartet, bis sie ihn wieder in ihre Arme schließen kann… Und fristet ein abhängiges Dasein. Das ihr Angst macht.