Die Wogen glätten sich…
… und ich werde ruhiger.
Tatsache ist, dass im Moment weder mit dem Goldfisch noch mit dem Guppy das Wort „Zukunft“ eine Rolle spielt.
Gut. Der eine wird tagtäglich in meinem Leben sein, solange wir ein Aquarium teilen. Der andere wird oft in meiner Nähe sein, solange wir zusammen arbeiten. Aber mehr ist es nicht und wird es wohl auch nie sein.
Wenn ich mir viele Tränen ersparen will, muss ich mich vor allem von dem Guppy losreißen. Blöde Sache. Denn ich sehe ihn auf einmal in einem ganz anderen Licht. Er ist nicht mehr derselbe. Der KLEINE hat mich ganz schön durcheinander gebracht. Ich suche seine Nähe, weil er mich anzieht wie ein Magnet. Ich bin reines Eisen… Aber was ist denn an ihm so anziehend? Ist es denn wirklich nur körperlich? Ich glaube das nicht. Ich mag ihn wirklich sehr. Aber unsere Leben würden sich nicht kreuzen, wäre da nicht das Aquarium. Ist das wirklich der einzige gemeinsame Punkt?
Und der Goldfisch. Er ist ein Beziehungsfisch. Er wünscht sich jemanden an seiner Seite, das ist ihm unheimlich wichtig. Jemanden, um den er sich kümmern kann und der sich um ihn kümmert. Idealzustand ist eine glückliche Beziehung. Glücklich single sein: Das, was ich lernen MUSSTE, das scheint ihm fremd zu sein.
Sein Bild von einem glücklichen Leben ist das, was ich mir wünsche. Würde jemand wie er mich lieben, könnte ich mich sehr glücklich schätzen.
Gut, dass ich wieder klarer denken kann. Das trübe Wasser hatte mich ganz schön verwirrt.
Weiterhin ruhig Blut und versuchen, die Sehnsucht nicht Überhand nehmen zu lassen.
Samstag, 25.3.06, auf der Flucht vor meinem Aquarium…
… schrieb ich dies:
Wieviel Platz ist eigentlich in so einem Fischherz? Passen da eventuell auch 2 Fische rein? NEIN. So geht das doch nicht… Eines steht jedenfalls fest: Der kleine süße Guppy hat sich zu einer echten Gefahr entwickelt. Seine Nähe lässt das besagte Herzchen kleine elektrische Stöße durch Grete und Flosse, durch sämtliche Schuppen pumpen… Un das nach MONATEN aquariumtechnischem Nebeneinanderherleben.
Und so kommt, was kommen musste… geheimer Rückzug zweier Fische… verwirrte Versuche, sich und einander diesen plötzlichen Wandel zu erklären. Vergebens. Wie + und – kleben wir aneinander, uns gegenseitig bestätigend, dass das irgendwie so gar nicht geht. Nach Stunden siegt die Vernunft, jedoch nicht die Überzeugung. Eine solche Anziehungskraft habe ich noch nie erlebt.
Und so folgen die Tage des normalen Miteinanderumgehen vor den anderen. Das kleine Geheimnis ist ein gehöriges Stück gewachsen… Das macht mein Leben nicht unbedingt leichter. Wenn ich das alles voraussehen konnte, warum habe ich es nicht einfach sein lassen? Es gibt ungeschriebene Gesetze im Leben eines Fisches. Ich habe in meinem mindestens 4 davon gebrochen.
Donnerstag, 23.3.06, auf dem Weg in mein Aquarium…
… schrieb ich dies:
Seit der Goldfisch alleine schwimmt, geht buchstäblich alles den Bach runter. All die Ängste und Unsicherheiten sind TATA zur Stelle und das nur, weil die sichere Hürde, die zwischen ihm und mir bestand, auf einmal weg ist. Mein kleines Fischbewusstsein interessiert es nicht, dass sein Ozean im Moment unter Stürmen der Arbeitswelt die größten Wellen schlägt… Was mein Fischhirn sorgfältigst filtert, sind die Anzahl der freundlichen Blicke, Lächeln, seine eigenartigen Fragen. Um zufrieden zu sein, müsste sich dies aber von Tag zu Tag steigern. UNMÖGLICH.
Und so aktiviert sich automatisch das rationale Sushi-Messer und droht mir: Schlag’s dir aus dem Fischkopf. Ebenso UNMÖGLICH.
Hier also mein selbstverordnetes Rezept:
1 kg Einbildung, er schwimme NICHT alleine
500 g Freude, wenn er lächelt
100 g Genießen der Zeit mit ihm
800 g ARBEITEN
100 g Abkühlen
2 kg Denken, aber nur noch für den JOB
Pendeln zwischen zwei Fischen
Auf dem Weg zum Ozean, in dem ich auf täglicher Basis den Goldfisch sehe, bekomme ich Bauchschmerzen. Mir dreht sich der Magen um und mein Herz fängt an zu flattern. Ich betrete den Raum und da ist er… Wie soll ich mich verhalten? Ich weiß es nie. Und so versuche ich, ruhig zu bleiben. Die ersten Stunden abzuwarten, bis es schließlich wieder heißt: Und was essen wir heute?
Nach Essen war mir heute nicht im Geringsten zumute. Am ehesten hätte ich nach Hause fahren können vor Übelkeit. Durchhalten. Durchhalten. Er und ich. Draußen. Essen holen. Und wieder diese zweideutigen Fragen von ihm: Auf was guckst du eigentlich als erstes bei einem Mann? Ich drehe durch. Ist der nur neugierig oder was hat das zu bedeuten? Wäre er die ganze Zeit so, dann würde es mich vielleicht nicht so sehr wundern. Aber als würde er gleich ein „Es hat angefangen zu schneien“ von sich geben wollen, kommt dann ein „Hattest du in letzter Zeit eigentlich einen Freund?“ Baff. Andauernd diese Fragen. „Wann willst du eigentlich Kinder?“ Uns bleiben am Tag nur diese wenigen Minuten. Ich will mehr. Aber ich möchte nicht, dass er das weiß. Ich möchte ruhig bleiben. Anstattdessen bekomme ich Magenschmerzen und eine schlimme Vorahnung, dass meine Gefühle vergebens sind.
Ich verabschiede mich und mache mich auf den Weg in mein Aquarium. Und als pendelte ich zwischen zwei Welten, verblassen die Erinnerungen an den Goldfisch und mein Herz klopft für den Guppy.
Super: Ein Fisch mit einer gehörigen Psychose. Ein Schizo-Fisch.
Der Guppy indes scheint sich vor mir zu drücken. Ich vermute, dass er mit der Situation nicht umgehen kann. Und wie man auch ohne glubschige Fischaugen sehen kann, habe ich damit auch meine Probleme. Aber woher kommen denn diese ganzen vielen fiesen Gefühle? Warum geht mir weder der eine noch der andere aus dem Fischhirnchen? Schizo-Fisch. Hab ich’s doch gesagt! Ein permanenter Aufregungszustand. Zuletzt gespürt im Dezember. Ist nicht gut ausgegangen.
Ihr verdammten Fische! REDET! Oder schwimmt davon! ![]()
Und der Guppy???
Der sorgt auch für einen Wirbelsturm – im Aquarium. Der erste Tag mit Geheimnis zwischen Fisch und Fisch ist überstanden. Vielleicht stellt sich ja wieder Normalität ein. Aber so richtig überzeugt bin ich davon noch nicht. Die zwei G’s haben sich heute ständig abgewechselt und sind durch mein kleines Fischhirn gegeistert. Goldfisch, Guppy, Goldfisch, Guppy, Goldfisch… Ich glaub, ich bin im Moment ein wenig emotional labil. Zu empfänglich. Zu sehnsüchtig. Wand an Wand. Das lässt mich albträumen. Von Goldfisch und Guppy, die auf mich zuschwimmen… Und dann?
Mein Goldfisch schwimmt alleine…
… heute fragt er mich, was so Spannendes los war bei mir am Wochenende. Und da ich da nichts zu bieten hatte, was er hätte wissen dürfen (die Guppy-Story hätte ich ihm ja schlecht erzählen können, obwohl mich das schon noch sehr beschäftigt und mein Redebedarf unbegrenzt ist… hätte ich nicht gedacht)… also, ich hatte jedenfalls nichts zu bieten und habe ordnungsgemäß die Frage an ihn zurückgegeben. Und was höre ich dann? Der Goldfisch ist nicht mehr im Zweierpack anzutreffen. Mein Goldfisch läuft also so weiter neben mir her und ich bin ganz verwirrt. Da habe ich mich heute morgen noch mit der Situation abgefunden und wollte jegliche Hoffnungen und Bemühungen einstellen – und dann DAS! Und was mache ich jetzt? Nun ist es keine hoffnungslose Geschichte mehr, weil er unerreichbar ist, sondern eine ebenso hoffnungslose Geschichte, weil er ein trauriger kleiner Goldfisch ist, der sicherlich nicht gleich wieder seine Flossen nach jemandem ausstrecken will… und kann.
Bin eindeutig ein verwirrter Fisch. Alles bunt und dreht sich, ein kleiner Wirbelsturm in meinem Ozean…
Guppy
Der Guppy ist ein kleiner Fisch. Er ist ruhig und lieb. Manchmal ein wenig farblos. Aber dann auch wieder unheimlich liebenswert.
Der Guppy schwimmt mit mir in einem Aquarium. Und da haben wir das Problem. Das Gesetz ist klar und einleuchtend: Flossen weg von Mitaquariern.
Ich habe es nicht eingehalten. Der Guppy war da. Ich mag ihn. Wir saßen auf dem Sofa vor dem Fernseher und es war einfach nur angenehm. Schuppe an Schuppe sozusagen. Nähe. Und damit war der Tabubruch besiegelt. Aquarier und Aquarier. Zwei Fische, ein Geheimnis. Ein Geheimnis, das nicht nur innerhalb der vier Aquariumwände bleiben muss, sondern auch zwischen Fisch und Fisch. Den die anderen Fische im Aquarium dürfen unter keinen Umständen etwas davon wissen.
Und was macht dieser Vorfall mit meinem kleinen Fischherzchen?
Es klopft noch immer für den Goldfisch. Was soll ich tun? Sich nach jemandem zu verzehren, den man nicht haben kann, kann viel Sehnsucht nach körperlicher Nähe und Zärtlichkeit wecken. Und da mache ich noch nicht einmal vor Tabus und unschuldigen kleinen Guppys Halt. Traurig. Aber in diesem Falle ist weder der Wille noch der Fisch stark.
Und so geht das Leben weiter in unserem beschaulichen Aquarium. Und die Fische bleiben stumm.
Mein Goldfisch…
Goldfisch ist das beste, was mir in den letzten Jahren untergekommen ist. Mein Herz lacht, wenn ich ihn sehe. Die ganze Zeit ein prickelndes, sehnsüchtiges Gefühl im Bauch. Und das den ganzen Tag. Denn wie es das Schicksal so wollte, schwimmen wir im Moment ca. 8 Stunden am Tag im gleichen Goldfischglas. Jeden Tag sein Lächeln. Jeden Tag sein zerknautschtes Gesicht, wenn er sich genervt auf seine Hand stützt, während er auf den Laptop starrt. Und was essen wir heute?
Ich kann meinen Blick manchmal nicht von ihm wenden. Wenn er hinter mir vorbeiläuft, um zum Drucker zu gehen, schreit mein ganzer Körper nach nur einer kurzen Berührung. Aber wir sind nur Kollegen. Obwohl… ein bißchen mehr ist es schon, denke ich. Hoffe ich. Wir verstehen uns so gut. Wir quatschen. Reden über interessante Dinge. Dinge, die uns bewegen. Wir essen zusammen.
Ich werde ihm niemals sagen können, wie sehr ich ihn wirklich mag. Denn der Goldfisch ist nicht alleine. Er hat eine Freundin.
Jemand hat mal zu mir gesagt: Dränge dich nicht zwischen zwei Menschen, sondern warte ab, ob sie sich von selbst trennen. Tja, und so verbringe ich weitaus mehr Zeit mit ihm als seine Freundin und – jedenfalls scheint es so – und traue mich kaum, seine Freundin jemals zu erwähnen… Ich lebe lieber in der Hoffnung, dass sie sich eines Tages trennen, als in der Gewissheit, dass sie es nicht tun werden. Sehen wir mal, wie lange ich das durchhalte.
Erfahren wird er jedenfalls nichts. Das habe ich mir geschworen. Es ist mein Geheimnis. Und so freue ich mich jeden Wochentag aufs Neue auf seine Nähe.