Ein weiterer SMS-Gefühlsausbruch.
Hätte nicht sein müssen. Aber war irgendwie doch notwendig.
Ich habe dem Flieger meine Meinung gesagt. Weil ich das einfach doof finde. Ich finde das doof, wenn jemand etwas sagt und es dann nicht tut. Darum geht es. Zuverlässigkeit. Auch in den kleinen Dingen.
Mir ist schlecht. Den ganzen Tag schon.
Fliegen.
Ich wünschte, ich könnte fliegen.
Nein. Ich wünschte…
Ich würde nicht so bescheuerte Codenamen verteilen.
Der Flieger. Was soll das eigentlich? Halloooooo? Novalee, wer fliegen muss, um dich zu sehen, ist zu weit WEG! Was hast du dir dabei eigentlich gedacht? Und jetzt meldet er sich nicht mal mehr. Das ist doch GIFT! Für deine Seele. Für dein Bewusstsein. Für die MAUER, die du dir so mühsam aufbaust. Solche Aktionen können zermürbend sein.
Wahrscheinlich hat das überhaupt nichts mit dir zu tun. Aber es macht was mit dir. Und darauf kommt es an. Es macht was Fieses mit dir. Es lässt dich unwissend zurück. Und noch einsamer.
Gefühlte Einsamkeit minus 25 Grad. Und die Angst, dass die Einsamkeit dein Freund bleiben wird. Einer von denen, die sich selbst einladen. Und sich einfach auf dein Sofa setzen. Und nicht wieder gehen. Jegliche freundliche Versuche, ihn herauszukomplementieren. Scheitern. Kläglich. Und so musst du ihm dein Bett anbieten. Von deinem Teller essen lassen.
Was für ein Klotz am Bein.
Der Speicher.
Leert sich. Ich spüre es. Und wenn der Speicher sich leert, das wissen wir mittlerweile, dann lassen meine kognitiven Fähigkeiten nach. Ich bin unkonzentriert. Und meine Prinzipien. Gehen den Bach runter.
Deshalb. Habe ich heute. Den Fahrradfahrer angerufen. Und ich hasse es, wenn er dann zurückruft und sagt: Du hast angerufen. Was wolltest du denn? Und in dem Moment könnte ich mir in den Arsch beißen. Aber mal gehörig. Dann versuche ich, die Situation irgendwie zu retten, aber kann meinen Ärger nicht mehr verbergen. Was soll denn das bitte heißen? Kann ich nicht einfach so anrufen, weil ich wissen will, wie es dir geht? Aber der Gipfel meiner Dummheit kommt ja noch. Und zwar in Etappen.
1. Etappe: Ich frage, wann wir uns denn mal wiedersehen.
Ja, nee, keine Ahnung. Diese Woche nicht, vielleicht nächstes oder übernächstes Wochenende. Marke Unterton: Mal sehen, ob ich dich irgendwo dazwischen quetschen kann. Wenn ein Termin frei wird, lass ich es dich wissen.
2. Etappe: Obwohl ich am liebsten bereits vor Minuten aufgelegt hätte, frage ich, ob er glücklich ist. (Typisch ICH: Persönlich Details erzwingen, um wenigstens ein wenig das Gefühl zu haben, man hat es doch mit einem Menschen zu tun.)
Bin ich jemals glücklich? Bin ich überhaupt dazu in der Lage?
Und es folgen tatsächlich einige Details. Und NEIN, er ist nicht glücklich, aber auch nicht unglücklich. Klassischer Fall von Verdrängung und Verleugnung. In dem Sinne habe ich ihn doch längst durchschaut.
3. Etappe: Ich frage ihn, ob wir nicht mal etwas Lustiges zusammen machen wollen. So ohne Probleme. (Ihn belastet – ich korrigiere: ihn nervt, dass alle um ihn herum Probleme haben – dazu zähle auch ich.)
Ja, wir können ja nächste oder übernächste Woche nochmal sprechen.
Fuck YOU! Wenn du keinen Bock hast, dann sag es, und behandel mich nicht wie einen Klotz am Bein. Das war ein Angebot, keine Bitte. Und wenn du mich spüren lässt, dass ich dich nerve, dann war dies das letzte Mal, dass ich dich angerufen habe.
Und das habe ich auch gesagt.
Und jetzt kommt hier wieder mein absolut überzeugter neuer Grundsatz: ES WAR AUCH. DAS LETZTE MAL.
Warum lasse ich mich eigentlich 20 Mal so behandeln anstatt 1 Mal??? Wieso mache ich das überhaupt mit? Dieser Typ ist sowas von schrecklich. Was wäre denn, wenn ich ihn ab jetzt ignorieren würde? Ich könnte das. Ich fänd es aber schrecklich. Weil ich trotz allem Verständnis habe. Für seine Ängste. Und warum? Weil ich mir selbst gegenüber nicht eingestehen will, dass Menschen tatsächlich so sind. Und deshalb verteile ich munter Chancen. Und ärgere mich. Über mich selbst. Und über diesen beschissenen Selbstbetrug.
Er hat es nicht verdient, dass ich mir Gedanken über seine Gefühle mache. Weil er meine verletzt. Und das weiß er. Und spätestens hier. Muss mir das doch klar sein.
Wie oft habe ich das eigentlich schon gesagt?
Das passt…
… auf den Fahrradfahrer, den Goldfisch, den Adria-Fisch…
www.kurthalsey.com
Wahrheiten
Nichts nichts nichts…
nichts passiert. Novalee ist ruhig. Wenn sie sich nur wie ein halber Fisch fühlt, dann bleibt sie zu Hause. Keine alkoholhaltigen Abende mit Knutschereien, von denen man weiß, man sollte sie sein lassen…
Und der Fahrradfahrer. Der doofe. Mit dem hab ich neulich schon wieder nicht gesprochen, obwohl er auf der gleichen Veranstaltung war. Weiß der Geier, warum. Es ist vorbei. Es ist nunmal vorbei. Heute musste ich aber sehr an ihn denken, als ich mit einer Freundin über das gefährliche Spiel mit Affären ohne Sex sprach… Geborgenheit. Kuscheln. Knuddeln. Knutschen. Zusammen aufwachen. Kaffee ans Bett. Zusammen Fernsehen und Eis essen.
Das war einfach schön. Ja. Es war schön.
Aber nun ist es halt vorbei. Und basta.
Der Goldfisch lässt zwischendurch per Mail immer mal wieder einen Kracher los. „Du gehörst doch dazu.“ Ja, lieber Goldfisch. Du gehörst AUCH dazu. Und bist trotzdem nicht da. Also sag mir nicht, wie doof du das findest, dass ich bald gehen will, wenn du als erster abgehauen bist. Es tat dir nicht leid. Du wolltest es. Und ich weiß, dass ich für dich dazu gehöre. Du gehörst auch seit 9 Monaten zu meinem Leben. Aber warum sprechen wir noch darüber? Was bin ich denn für dich. Kaum wechseln wir das Medium – von E-Mail zu Telefon – KEIN WORT MEHR VON DEINEM BLEIB BEI UNS! Du bist nicht dazu in der Lage, mir zu sagen, was ich für dich bin. Vielleicht ist es auch nur deine Angst vor Veränderungen, die dich dazu verleitet, solche Sätze zu schreiben. Wer weiß das schon? Ich werde es wohl nicht herausfinden. Ich sollte es erst gar nicht versuchen.
Der Flieger meldet sich auch nicht wirklich. Am Sonntag habe ich ihn angerufen und wir haben 40 Minuten geredet. Es war ein interessantes Gespräch. Irgendwie wird es von Gespräch zu Gespräch netter und „vertrauter“… wenn man das so nennen kann. Aber ich bin mir sehr unsicher, ob ich Interesse an ihm haben will. Immerhin sind es viele Kilometer… Und ob das Interesse auf Gegenseitigkeit beruht?
Er ist ein sehr nachdenklicher und SEHR zielstrebiger Typ. Die explosive Mischung: Schizo-Fisch. Wie ich vielleicht? Ich würde wirklich gerne ein Wochenende mit ihm verbringen. Ich bin neugierig. Aber ich bin verunsichert. Weil noch nicht einmal eine SMS kommt, mal so zwischendurch. Und ich will nicht immer die erste sein… Es muss doch auch mal jemand AN MIR so viel Interesse haben, dass er mir eine blöde SMS schreibt, oder??? Alles andere ist doch doof.
Tja. Und ansonsten. Denk ich immer. Der wär doch süß. Und den find ich niedlich. Und den würd ich gern näher kennen lernen. In meinem Umkreis halt. Aber niemand denkt das über mich. Das ist mir bewusst. Und das bedrückt mich. Sehr. Weil. Ich Angst habe. Dass es. Immer. So. Bleiben wird.
Stille Wasser…
… sind…
Es ist nicht viel los. Es ist einfach nichts los. Solange ich mich nicht frei bewegen kann, weil mein Körper nicht will. Ist einfach nicht viel los. Nur Pflichten. Und Panik vor der Zukunft. Und die alten Tendenzen. Ich will nicht mehr. Mein Leben ist scheiße. Das ist natürlich Quatsch. Aber was würde ICH tun, wenn ich nicht mehr laufen könnte? Ich würde mich auch den Balkon runterstürzen. Grausame Wahrheit. Ich wäre dazu fähig.
Es ist also nichts los. Ich halte mich zurück. Seit der Guppy weg ist, habe ich niemanden mehr geküsst. Wow. Und das bei meiner Knutschkarriere. Der Speicher ist fast auf NULL. Woran liegt das? Diese Abstinenz. Vielleicht aus Mangel an Möglichkeiten?
Fahrradfahrer
Der Fahrradfahrer ist davongeradelt. In eine andere Welt. Er hört und sieht mich nicht. Mehr. Und das Schlimmste daran. Ich habe ein bißchen das Gefühl, fallengelassen worden zu sein. Oder habe ich ihn fallen lassen? Ich weiß es nicht. Ich schwanke noch immer zwischen Wehmut und Gleichgültigkeit. Wobei. Langsam glaube ich, die Gleichgültigkeit ist der Schutz vor der Wehmut, die entstehen würde, weil ich mich fallengelassen fühle. Traurigkeit ist in diesem Falle nicht real. Es ist alles Schein. Und doch bin ich traurig. Wenn ich an die Sicherheit denke, die er mir geben konnte. Und den Anlaufpunkt. Der er war. Aber in der anderen Welt. Ist für mich kein Platz mehr. Und vielleicht ist in meiner Welt für ihn auch kein Platz mehr. Vielleicht ist alles so gekommen und hat sich von selbst geregelt, weil es so das beste ist.
Ich fühle mich nicht wohl in seiner Nähe. Und doch zieht mich irgendwas an. Ich würde ihm gerne kündigen. Aber irgendwie ist das kindisch. Und würde ihn nur wieder in mein Leben bringen. Deshalb muss ich es wohl dabei belassen.
Der Fahrradfahrer ist komisch. Irgendwie kaputt. Ich will niemanden mehr, der kaputt ist. Kaputte Menschen tun weh.
Goldfisch
Mein kleiner Goldfisch. Wir sehen uns nicht mehr. Wir hören uns nur noch. Und diese Distanz schafft Nähe. Millimetergroße Nähe. Ein 99%iger Näheanstieg. Am Telefon. Aber das ist ok. Das ist alles ok. Es ist ruhig. Ob er mich wohl vermisst? Ich vermisse ihn. Vielleicht. Aber. Auch. Nicht. Ich habe gerne gute Laune für ihn. Denn in einer Hinsicht ähnelt er dem Fahrradfahrer. Er kann mit meinen Problemen und Ängsten nicht umgehen. Er will es nicht. Und ich will nicht, dass er glaubt, es zu müssen. Deshalb bin ich gut drauf. Und optimistisch. Obwohl das gar. Nicht stimmt. Jedenfalls nicht wirklich.
Flieger
Sollte heute nacht hier sein. Ist er aber nicht. Es ist eine komische Geschichte mit ihm. Er ist weit weg. Und wir hören uns. Kennen uns nicht. Lernen uns kennen. Vertrauter? Er ist nicht hier. Aber er will es bald nachholen. Ich sorge mich. Um mein Wohl. Er. Es. Macht mir. Angst. Das rationale Sushi-Messer lauert. Es lauert und schlägt zu. Weil ich einfach nicht entspannen kann. Ich habe Angst vor dem Schein. Und meiner Unfähigkeit, ihn zu entlarven. Und dem bösen Erwachen. Keine gute Disposition. Es ist komisch. Aber ich habe das Gefühl. Wenn ich ihm gegenüber stehe. Könnte ich ihn umarmen wollen. Oder ist das die Version mit dem Märchenprinz im Luftschloss?
Woher soll man denn wissen, wann sich ein Gefühl tatsächlich an eine Person knüpft und nicht nur an den Wunsch, das Leben in Zweisamkeit zu verbringen. Woher soll ich wissen, ob es reicht, die Augen zu schließen, sich x-mal zu drehen sie zu öffnen und den zu nehmen, der grad zufällig vor mir steht? Macht es denn einen Unterschied?
Mein Innerstes wehrt sich. Gegen die Hoffnung. Weil sie so trügerisch ist.
Müde
Novalee… du kannst dich nicht so hängen lassen, das geht nicht. Du weißt doch, wozu das führt. Du wirst nur noch unglücklicher.
Dann sag mir doch bitte, was ich dagegen tun soll. Ich habe einfach nur Angst. Und die ist doch auch berechtigt.
Ja, nein, keine Ahnung. Aber es gibt Reaktionen auf Situationen wie deinen, die sind gefährlich. Du darfst dich nicht hängen lassen, weil du damit riskierst, alles noch viel schlimmer zu machen.
Ich bin ein Krüppel. Und ich habe keinen Spaß mehr am Leben.
Du wirst kein Krüppel bleiben. Hab doch Geduld, wie alle, die davon Ahnung haben, es dir sagen!!!
Wenn das die einzige Hürde wäre.
Ja, aber es bringt nichts, dich noch mehr zu stressen. Du siehst doch, wozu das führt.
Ach ja?
Du kannst nicht allen erzählen, wie schlecht es dir geht und dass du überlegst, von welcher Brücke du dich demnächst stürzt. Das macht dir keine Freunde. Du kennst das doch. Irgendwann kehren sie dir den Rücken zu.
Ich weiß. Ich bin eine verdammte Heulsuse.
Dann tu was dagegen. Mach das, was du immer getan hast, wenn es dir schlecht ging.
Aber ich schaffe es nicht. Ich habe keine Kraft.
Doch, du hast Kraft. Du musst nur anfangen. Pack es an und zieh dich aus dem Schlamassel. Geh los und trainiere, arbeite an dir. Du wirst sehen, es wird besser werden.
Ich bin müde. Aber ich versuche es.
Sogar der hässliche Fisch von nebenan…
… ist jetzt unter der Haube!!!
Danke für den Hinweis. Ja. Verdammt. Ich krieg’s nicht gebacken. Gut, dass man Fischverwandte hat, die einen daran erinnern.
Novalee im Aquarium
Da fühlt sie sich ganz wohl. Sie muss nicht mehr raus. Sie könnte wochenlang dort bleiben. Vorbei die Zeit der Sonntagsdepressionen? Wenn der Körper einen zwingt…
Nee. Naja. Vorbei ist die Zeit ja schon längst. Aber was wächst. Ist mal wieder. Der Wunsch. Nach IHM. Keine Lust auf Affären. Keine Lust auf Speicherauffüller. Keine Lust auf sinnlose Gespräche, die doch nur zum Abladen bestimmt sind. Ich lade oft ab. Und rede. Über mich. Und meine Ängste. Von damals. Über mich. Und meine Erkenntnisse. Das ist wie vom Band. Ich weiß genau, wie und wer ich bin. Und dann scheint es, als gäb ich total persönliche Dinge von mir preis. Dabei ist das Ware für die Massen. Naja. Nicht ganz so schlimm. Aber es ist halt nichts Besonderes. Ich leiere meine Geschichte herunter. Und dass ich sie erzähle, bedeutet im Grunde nichts. Ich bin abgestumpft gegenüber Menschen. Keine Ahnung, ob mich jemand fasziniert. Keine Ahnung, ob ich je jemanden faszinieren könnte.
Das war der Prolog.
Und nun? Heute fiel mir auf. Ich denke in letzter Zeit öfters an den Adriafisch. Keine Ahnung, warum. Ich denke an ihn und spür sowas wie Sehnsucht. Aber es ist nicht er. Das weiß ich immerhin. Obwohl er ein schreckliches Wesen ist, war er doch der einzige, bei dem ich große Gefühle hatte. Auch wenn es Schmerz war…
Fahrradfahrer
Ich melde mich nicht bei ihm. Ich habe keine Lust. Ich weiß nicht, was tun. Mit ihm. Es bringt mir nichts. Im Moment. Ich kann nicht mit ihm befreundet sein, wenn ich unzufrieden bin. Das geht irgendwie nicht. Ich weiß nicht, was ich mit ihm tun soll. Nach dem Kuss. Dem halben. Nehm ich Abstand. Besser so. Ich will nicht mehr mit ihm knutschen. Komischerweise. Komisch ist. Dass unsere Beziehung sich grad geändert hat. Wir hören uns nicht mehr. Aber wie soll ich entscheiden, ob ich mich bei ihm melden will. Wenn ich das Gefühl habe, es ist ihm nicht wichtig?
Goldfisch
Hm. Hm. Hm. Wird mein Wunsch jemals komplett verschwunden sein, dich zu verstehen und zu kennen? Werde ich jemals wirklich verkraften. Dass du mich nicht wolltest? Du wirst jedenfalls der einzige Mann bleiben, in den ich mich bis zu meinem jetzigen Lebensjahr wirklich verliebt habe. Dass ich dich nicht kannte, tut dabei nichts zur Sache. Ich glaubte, dich fassen zu können. Aber ich habe mich getäuscht. Und trotzdem. Hast du es denn verdient, dass ich so mit dir beschäftigt bin? Mai ist längst vorbei. Vielleicht ist es nur das EGO.
Flieger
Dies WE haste dich nicht so wirklich gemeldet. Ich will dich aber kennen lernen, bevor ich dich in mein Haus lasse. Wäre gut, wenn du das beherzigen würdest.