Verdammter Goldfisch…
… ja und das ist dann ja auch total praktisch, wenn du hier herziehst, weil du dann ja schon eine Unterkunft in einem großen Aquarium hast…
Der Goldfisch meint sein eigenes Aquarium. Und mit „du“ meint er Novalee. Und Novalee fragt sich, mit welcher beschissenen Dreistigkeit er sich so einen Kommentar schon wieder rausnimmt.
Wenn sie jemals in seine Stadt ziehen sollte, dann wird sie sich tunlichst ein eigenes Heim suchen. Ach, was redet sie da? Er meint es ja gar nicht ernst. Es ist ja mal wieder nur so dahergesagt! And never to be turned into reality.
Novalee legt auf und denkt. Was ist das bloß für ein Fisch. Was will der bloß von ihr? Und dann würde sie sich am liebsten selbst schlagen. Weil sie denkt. Dass sie schon wieder daran denkt. Was er wohl über sie denkt. Und dabei war das Denken an das, was der Goldfisch denkt. Doch auf der Abschussliste. Der Never and mai più do – Liste.
Hallo Fahrradfahrer!
Ja. Es ist mal wieder soweit. Ich bin schwach geworden. Wobei man das vielleicht nicht schwach nennen kann, wenn man es selbst drauf anlegt, seine Nähe zu spüren. Aktiv schwach. Oder wie soll man das sehen? Jedenfalls war ich bei ihm. Und hab Nähe gefordert. Und sie bekommen.
Ja. Es war mal wieder eine grenzwertige Geschichte. Weil ich währenddessen den Lautstärkeregler meiner Gefühle immer fast ganz runter drehen muss. Um es genießen zu können und nicht verletzt zu sein, dass es für ihn einfach das ist, was es ist. Nähe. Und gut. Verletzt bin ich meist nur – zumindest bei ihm – weil ich das Gefühl habe, ersetzbar zu sein. Und ich bin es irgendwo auch. DENN. Da gibt es noch jemanden bei ihm. Eine andere. Der er das gleiche erzählt wie mir. Ich kann mich nicht verlieben. Ja. Wir haben es verstanden.
Kleiner Unterschied zwischen ihr und mir: Sie ist noch viel sensibler. UND sie ist verliebt in ihn. So ein Idiot. Aber dafür kann ich mich nicht einsetzen. Ich muss ihn einfach als das sehen, was er ja tatsächlich für mich auch ist: Mein Nähespender.
Und dann wird alles gut. So oft wie damals werde ich ihn eh nicht sehen.
So. Mirselbstgutzureddasssoallestotalentspanntundinordnungist.
Brav sein.
Hat es damit überhaupt irgendwas zu tun? Geht es eigentlich darum, in der Öffentlichkeit nicht aufzufallen, indem man jedes Wochenende mit jemand anderem knutschenderweise gesehen wird? Ist es das, was man vermeiden sollte? Oder geht es darum, was es einem selbst bringt?
Ich will keinen Sex mit Fremden. Weil ich glaube, dass es mir darum nicht geht. Nein. Ich weiß, dass es mir nicht um Sex geht. Und somit hat es definitiv keinen Sinn, sich in solche Geschichten zu stürzen.
Und Knutschereien? Es ist nunmal das einzige, was ich kriegen kann, ohne mich nach einer Nacht mit einem X-Beliebigen schlecht fühlen zu müssen. Knutschen und gehen. Tschüß. Mehr wollte ich gar nicht. Was aber alle anderen natürlich nicht wissen. Was denkt man denn, wenn man zwei Menschen knutschen sieht, von denen man weiß, sie sind kein Paar? Und dann auch noch an einem Ort, an dem es viel (!!!) Alkohol gibt.
Tja. Und somit. Heißt es. Brav sein.
Ha! Ich glaube kaum, dass ich das durchziehen kann. Und somit bleibt nichts außer zu sagen:
Dann bist du auch selbst dran schuld, Novalee! Andere können doch auch ohne leben, wieso nicht auch du?
Keine Ahnung. Vielleicht habe ich mich nach weit über 50 Knutschpartnern einfach dran gewöhnt. Es ist so einfach. Und so schön. Wenn auch nicht immer so schön wie mit dem, den man lieb hat.
Ich erinner mich an Tränen. Ich will nicht, dass es vorbei ist.
Novalee, es reicht, du sollst aufhören mit dem bescheuerten Goldfisch.
Ja. War rein assoziativ. Da kann ich nichts für.
20 vor 6
Ich hätte heute knutschen können. Ich hätte heute noch viel mehr machen können.
Aber ich wollte nicht. Ich wollte das einfach nicht. Es hätte in mein Schema gepasst. Spagnolo. Aber ich wollte nicht. Es hat sich nicht richtig angefühlt. Ich hätte mich irgendwie geschämt.
Obwohl der Speicher – wie immer – leer ist…
Nein. Es bringt mir ja nichts. Sowas nicht in der Öffentlichkeit.
Heute habe ich einen Freund vom Goldfisch gesehen. Hui. Und das auch noch zusammen mit einem Typen, der mich neulich übelst angebaggert hat. Und mich dann hat knutschen sehen. Mit Rumpelstilzchen. Die Welt ist zu klein.
Zu klein. Besser brav sein. In der Öffentlichkeit.
Kompliziert
- Man muss Sachen ja nicht komplizierter machen, als sie sind! Typisch Mann?
- Ich könnte ohne dich, würde aber lieber mit dir leben. Wie soll man das bitte definieren?
- usw.
Tja… wenn ich hier mal einen Wunsch äußern darf, dann folgenden: Ich möchte gerne nicht mehr über ihn nachdenken. Und es soll mir egal sein, wie er zu mir steht.
Liebe Novalee, vielleicht ist es dir längst egal und es dreht sich nur um dein Ego, hast du da schon mal drüber nachgedacht?
Naja. Schon. Ich denke schon. Aber ich glaube, so oder so sitzt die Enttäuschung halt immernoch tief. Und das macht eben auch die Menge der Enttäuschungen.
Aber flippst du nicht auch oft ein bißchen zu sehr aus? Nicht jeder will dich vorsätzlich verletzen.
Ich weiß… ich bin echt empfindlich geworden und nehme mir alles immer so sehr zu Herzen. Was soll ich denn dagegen tun?
Wenn ich das wüsste…
Ich will doch nur ein einziges Mal in meinem Leben, das Gefühl haben, jemand braucht mich!!!!!! Jemand will mich! So. Wie. Ich. Bin.
Das wünschen sich viele.
Ach nee.
Naja, du musst halt einen Alternativplan haben! Du kannst ja nicht von dieser Sache abhängig sein und dein Leben danach ausrichten! Siehst ja, dass das nicht funktioniert!
Jaja, das ganze Gequatsche mit Du musst dir selbst genug sein und so…
Ist ja nunmal was Wahres dran!
Jaaaaaaa. Ich weiß. Menno. Eigentlich bin ich ja auch echt zufrieden mit meinem Leben. Klar… die Zukunft macht mir schon ein wenig Angst… Jetzt so an der FAST-Schwelle zur hard reality.
Um es mit den Worten des Goldfisches zu sagen… sei mal etwas positiver…
Haha, das kommt vom Richtigen…
Na, der hat jetzt wohl die Schnauze voll von dir.
Mir egal.
Naja, ist auch besser so.
Ja.
Nun, ab in die Heia. Dein Leben wartet auf dich. Und es will dich frisch und munter!
Jawoll!
Gute Nacht
Goldfisch
Ich hasse ihn. Ich ärgere mich so sehr. Dass ich so reagiere, wie ich reagiere. Und er so wenig Verständnis hat. Er weiß rein gar nichts über mich und wollte es auch nie. Und jetzt schäme ich mich. Und bereue, obwohl ich doch nie bereuen wollte.
Ich bin so wütend. Und hab’s mal wieder rausgelassen. Aber es ging nicht anders. Ich bin nunmal so. Und naja. Ich will immer so gleichgültig sein. Und nichts mehr an mich ranlassen. Ich will immer so souverän wirken. Weil ich Angst davor habe, dass ich, wenn ich es nicht tue, mich noch schlechter fühle. Und ich fühle mich auch schlecht nach meinen Seelenstripteases. Weil sie es nicht verdienen, dass ich so offen bin. Weil sie es nicht wert schätzen. Sondern vor mir zurückweichen. Vermutlich kann ich sie nicht dafür verurteilen. Denn die Emotionen, die sie bräuchten, um mich zu verstehen, sind nicht da. Und so ist es ein Teufelskreis.
Mir kommt der Gedanke, dass ich ausgerechnet an Menschen gerate, die mit meiner Emotionalität nicht umgehen können. Wer kann das schon? Kann es denn jemand? Es muss doch jemanden geben.
Ich war aufgeregt, als ich ihm geantwortet habe. Aber nicht mehr so sehr. Weil die Enttäuschung sich in den letzten Monaten so schwer über den Wunsch gelegt hat, etwas von ihm zu haben. Sehr schwer. Wie ein schwerer Teppich, ein schwerer staubiger Teppich, der hier und da ein paar Löcherchen hat. Und wenn sich ein Wunschmolekül durch dieses mikroskopisch kleine Loch zwängt, hallt der Schmerz nach.
Dieser Goldfisch. Wieso ist alles so gekommen, wie es gekommen ist?
Ich ärgere mich jetzt wirklich über ihn. Er war in meinen Augen der Heilige. Und jetzt ist er so anders als in meiner Vorstellung. Und das tut irgendwie auch ein wenig weh. Ich habe mich schon wieder getäuscht. Ich muss es mir wohl eingestehen.
Ich will aufhören, mich zu ärgern. Ich will endlich aufhören. Weil es ein Gefühl ist. Und ich will nicht mehr fühlen. Nicht mehr für ihn. Nicht mehr.
Wir werden weiterhin miteinander zu tun haben. Das lässt sich nicht ändern. Ich fliehe nicht vor ihm. Das ist MEIN Leben. Und ICH fühle mich dort wohl, wo er sich stets fortgewünscht hat. Ich bleibe. Und kühle endgültig ab.
Eine Sekunde, ein Anruf…
und dein Leben verändert sich. Für immer vielleicht. So geschehen in meinem Umfeld. Und mir wird klar.
Mein Leben ist schön. Und meine Leiden sind nichts.
Ich lebe und bin einigermaßen gesund. Meine Familie ebenso. Andere Menschen sterben früh oder erkranken schwer. Mit Mitte 20.
Es tut mir so leid. Was kann ich tun? Was kann ich für dich tun, liebe Freundin, dass ihr das zusammen durchsteht? Als Familie. Ich bin so weit weg und kann dir nicht helfen. Niemand kann das. Außer die Ärzte. Und ich hoffe, dass sie es können.
Ich schicke ihm Kraft. Wenn ich kann, schicke ich ihm Wärme und Energie. Für dich und für ihn.
Das Leben. Muss. Geliebt Werden.
Schlaflos
Sie drehte sich hin und her. Nichts passierte. Der wohlige Schlaf, der Erschöpfungstod nach harter Arbeit. Er wollte sich einfach nicht einstellen. Sie versuchte es mit Meditation. Ging in ihre Höhle und kramte in ihrem Seelenleben. Heilte einen Kranken und umarmte einen Seelenverwandten. Nahm Geld mit aus dem Paradies und eine Salbe für ihre geschundene Haut. Sie sprach mit IHNEN und sagte ihnen die Dinge, die sie ihnen im wahren Leben nicht sagen durfte. Und kehrte zurück.
Schlaflos.
Sie wanderte durch die Wohnung. Trank ein Glas Wasser. Las in ihrem Buch. Nichts. Der Schlaf mag sich nicht einstellen. Er ist heute nicht für sie da. Treibt sich wohl woanders herum.
Und nun liegt sie da. Ihren virtuellen Freund auf dem Schoß. In den sie schlaflos diese Worte tippt. Während geliebte Menschen in weiter Ferne um ihre Brüder bangen. Und irgendwo ein einsamer Barmann durch das ferne Land wandert.
Sie fragt sich, was ihre Aufgabe ist. Einen Sinn muss es doch haben, dass er nicht kommt. Der Schlaf. Einen Sinn muss es doch haben, dass sie hellwach ist.
Schlaflos.
Wenn man schlaflos ist, dann lernt man die Geräusche der Nacht kennen. Dienstag. Partyabend. Sie schlendern an ihrem Fenster vorbei. Schnell, bevor die Damen Eintritt zahlen müssen. Donnerstag dasselbe. Um 5 geht es wieder zurück nach Hause durch die Gassen. Da war die Müllabfuhr schon längst da. Und die Straßenreinigung. Um 6 Uhr macht Bruna ihr Fenster auf und wartet auf ihre Freundin, die sie zur Messe abholt. Die Stadt erwacht. Endlich legt sich die Schwere der Depression über sie und zwingt sie in einen unruhigen Schlaf.
Erinnerungen an Schlaflosigkeit. Während der Schlaflosigkeit.
40 Tage
Ohne Knutschen. Am 41. Tag war es mal wieder so weit. Der Speicher war soooooo leer.
40 Tage. Bedeutet das, ich habe mich gebessert und kann immer länger auch ohne leben? Nein. Definitiv nicht. Schuld war. Dass ich nicht mehr schwimmen konnte. Dass ich ein kleiner Fischkrüppel war. Der ich seit ein paar Tagen endgültig nicht mehr bin. Zumindest gefühlt. Auch wenn die Realität anders aussieht, aber ich habe mich wieder beruhigt. Wenn mein Körper nicht funktioniert. Und mir dann auch noch übel ist. Dann denk ich gar nicht bis zu den Fischen. Dann denk ich nur an mich. Und brauche das auch. Denn wer ist dann schon für mich da? ICH! Eben!
Tja. Der 41. Tag. Endlich wieder raus. Alkohol in mich reingekippt. Und alles ging wie von selbst. Das Opfer musste ich mir nicht einmal aussuchen. Auf einmal stand er vor mir. Und es war eigentlich alles klar. Noch ein paar Infos ausgetauscht. (Bis auf den Namen) Und dann ging’s los. Am Ende hab ich ihn wieder abblitzen lassen. Ich nehme keine Fische mehr mit nach Hause. Ich brauche das nicht. Ich stecke all meine Leidenschaft in diesen Moment. Und gehe dann nach Hause und kuschel mich in mein Bettchen. Ich will keinen SEX. Ich brauche ihn nicht.
Was ich brauche, ist einen Fisch, der immer an meiner Seite ist.
Dass er es nicht ist, ist klar. Rumpelstilzchen. Ich hab seine Nummer. Und hab eine SMS geschrieben. Heute. Er wird nicht zurückschreiben. Das weiß ich eh. Aber es macht mir nichts aus. Naja, ein bißchen schon. Aber ich kenne das ja schon. Und was kann mir ein Rumpelstilzchen schon anhaben. Nach dem Fahrradfahrer, dem Goldfisch, dem Flieger? NICHTS. Denn an sie kommt er nicht ran. Weil er nicht so wichtig ist wie sie. Sie können mich verletzen. Er nicht.
Apropos. Ein kleines Update.
Fahrradfahrer.
Er hat mich angerufen. Er war krank. Und wollte mit mir sprechen. Nur so. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn eigentlich nie wieder anrufen wollte. (Um ehrlich zu sein, wollte ich sogar wieder auflegen oder ihn blöd anmachen, wenn er mich jemals wieder anrufen sollte… hehe. Aber das hab ich mal wieder nicht durchgezogen.) Naja. Hab’s lustig gesagt. Wie immer. Blablabla. Haben gelacht und gescherzt. Und dann habe ich ihn gestern zufällig getroffen. Eine halbe Stunde nebeneinander gesessen. Rumgealbert. Erzählt. Fotos gemacht. Wie die Kinder. Und dann hab ich gesehen… Er hat ein Foto von mir und sich als Hintergrundbild auf seinem Handy… Nanu? Haben uns verabschiedet. Wir schnacken die Tage.
Flieger.
Hab mir eine halbe Flasche Wein reingezogen vor ein paar Tagen. Und dann eine SMS geschrieben. Wieso kommst du nicht einfach her? Hin und her. Nach dem Motto – nach dem BEKANNTEN Motto – ließ er Ich finde dich total toll, schade, dass wir nicht näher aneinander wohnen. Ich will keine Fernbeziehung. Ich will dich nicht verlieren. Wir belassen es bei Freundschaft. Wir schaffen das schon. Eines Tages sehen wir uns. Und seitdem… nichts mehr von ihm gehört. Dann schoss es mir wie ein Blitz in meinen Kopf… Woher zum Teufel will der wissen, dass es überhaupt eine Beziehung werden kann? Lösung des Problems: Das war nur so dahergesagt. Muss ja ein toller Hecht sein. Wenn er denkt, ich bin schon in ihn verknallt und es würde was laufen, wenn er hier wäre… Naja. Lassen wir das CASE CLOSED.
Goldfisch.
Ich kann nichts dagegen tun. Es staut sich auf. Meine Wut. Auf seine Abneigung. Gegen diese Stadt, in der wir uns kennen gelernt haben. Und dann vermische ich alles. Beruflich. Privat. Wobei es ja ein Privat nicht gibt. Aber meine Gefühle sind in Bezug auf ihn – nicht nur aber auch – privat. Und dann platze ich. Und werfe ihm Sachen an den Kopf. Die er nicht versteht. Aber verstehen müsste. Und dann nehm ich alles so halb zurück und doch wieder nicht. Und am Ende. Frag ich ihn auch noch. Ob ER böse ist. Was bin ich nur für ein schwaches Wesen. Ich mag ihn nicht mehr. Irgendwie mag ich ihn nicht mehr. Und doch. Beschäftigt er mich. Und das hasse ich. Ob er böse ist… Und er antwortet nicht. Er denkt bestimmt, ich bin eine tickende Zeitbombe. Und will nichts Persönliches mehr mit mir besprechen. Weil er. Mit Sicherheit. Längst wieder sein Glück gefunden hat. Und so. Von mir Abstand nimmt. Na und?
Es ist mir egal. Ja. Ja. Ja. Egal. Egal. Hörst du? Es ist mir egal.
Ich und die Fische. Die Zeit verrinnt. Und es ändert sich nie. Niemals.