Das war also der Hauptstadtfisch
Szenario heute morgen.
Novalee. Der Hauptstadtfisch. Der Mitaquarier. An einem Tisch. Novalees Herz klopft. Aber nicht. Für. Den Hauptstadtfisch.
Rewind rewind rewind rewind
Vor ein paar Tagen im kleinen Städtchen.
Novalee befindet sich auf dem Weg zum vereinbarten Treffpunkt, um den Hauptstadtfisch abzuholen. Und ist leer. Sehr leer. Sie ahnt bereits, was dann wenige Stunden später passiert. Ich habe das Gefühl, du willst mir was sagen. Als würdest du denken, was wir hier machen, ist keine gute Idee. Erwischt. Noch viele Stunden vor uns und ich fühle mich bereits ertappt. Anstatt mich rauszureden. Habe ich geschwiegen. Und es fühlte sich so falsch an. Was wir da machten. Küsschen. Händchen halten. Ich wollte es nicht. Novalee wollte es nicht. Und in ihrem Kopf war… der Kleine. Und wie er da war. Als betrüge sie ihn. Als sei er für immer aus ihrem Leben gegangen. Sehnte sie sich zu ihm. Die Stimme blockierte. Auf die Andeutungen des Hauptstadtfisches. Antwortete sie nicht. Oder nur kurz. Ausweichend. Aber er ist ja nicht doof.
Tag 2
Ein Tag im Städtchen. Halb Paar. Halb Nichts. Und er neben ihr. Realisierend. Dass er von falschen Tatsachen ausgegangen war. Kein Entgegenkommen von ihrer Seite. Viel Schweigen. Viele Denkfalten. Viel lautes Aufseufzen. Sie konnte es nicht verbergen. Aber nun war er hier. Und genoss es. Trotz allem. Hier zu sein. Der Tag verging. Die letzten Worte besiegelten seine Annahmen. Und machten sie zu einem Faktum.
Tag 3
Von einem „Hintersichbringen“ zu sprechen wäre falsch. Denn so war es nicht. Es war ein schöner Tag. Im Wald. Am Wasser. In der Sonne. Der Kopf war leer wie das Herzchen. das schwieg. Keine Berührungen mehr. Keine. Währenddessen immer wieder der Kleine. Und eine unendlich Sehnsucht. Ihn umarmen zu dürfen. In seinen Armen zu liegen. Seine Augen. Seine großen lieben Augen. Der Kleine… Ich schäme mich.
Tag 4
Heute. Alles ist ok. Es ist nicht ausgesprochen. Aber es ist klar. Man wird sich verabschieden. Und sich so bald nicht wiedersehen. Und Novalee kehrt zurück. Und sieht den Kleinen. Und realisiert. Sie darf es nicht aussprechen. Auch hier nicht. Es muss alles leise bleiben. Sehr leise. Und so klopft ihr Herz. Zwischen ihnen nur die Wand. Die Tür. Die Tapete.
Es tut mir leid, Hauptstadtfisch…
Der Alkohol
macht mich sagen:
Ich fühle seeeeeeeeeehr viel für den Kleinen. Für den Mitaquarier. Und ich bin seeeeeeehr unsicher in Bezug auf den Besuch.
Des Haupt
stadt
fisches.
Mein Herz hat heute geklopft. das kleine fischherz. und ich fürchte. es wird es von übermorgen bis zum tag vor der arbeit nicht tun so tun. ich fühle. es fühlt. aber was ist bloß los…
Psychosomatik
- Individualisierungszwang
- Orientierungslosigkeit
- Oberflächlichkeit
- Autonomiezwänge
- Leistungsideologie
und der Körper als Kampffeld.
Ich bin Opfer aller dieser gesellschaftlichen Phänomene von heute!
Mir ist schlecht.
„Wenn du jetzt schon Zweifel hast, …“
dann kann es nichts werden.
Ist es wirklich so?
Telefonisches Balzverhalten
Wollen wir noch telefonieren? Äh. Ja. Moment. Klar. Wieso nicht.
Schließlich sehen wir einander in wenigen Tagen wieder in die Augen. Und das macht michEs macht michIch fühle michIch glaubeIch fühle NicHtS. Vielleicht auch ein wenig mehr als nichts. Ein bißchen freue ich mich schon. Es ist aber der alte Hut. Jemand mag dich. Und du nimmst es als Grundlage. Für eine Emotion. Aber ist sie haltbar? Ist sie NacHhaLTig?
Mann, Novalee, das spielt doch alles gar keine Rolle!!! Er besucht dich. Und gut ist. Es ist nicht mehr als das. Ihr werdet einige Tage als Pärchen durch die Gegend laufen. Und dann trennt ihr euch wieder.
Jaaaaaa. verdammtichweißdoch. Aber was wennWaswennWaswenn ich ihn dann doch mag. Oder waswenn mein Kleiner mir emotional dazwischen kommt?
Schluss jetzt damit. Bis dahin gibt es Wichtigeres.
Ein Jahr nach dem Goldfischglas
Tja. Nun hätte ich es fast verpasst. Ein Jahr ist um. Dabei habe ich es gerade gestern noch erwähnt. Lachend. Was meinst du, sollte ich ihm ‘ne Mail schicken. Weißt du noch, Goldfisch, vor einem Jahr? Du und ich? Nee. Lieber nicht. Meinte meine Freundin. Nee. Ich hab ihm grad gestern schon eine gewagte Mail geschickt. Auf die er nicht geantwortet hat. Wer weiß. Was bei ihm schon wieder los ist. Stress. Nehme ich an. Aber es ist mir auch egal. Er berührt mich nicht mehr. Glaub ich. Glaub ich wirklich.
Wieviel Nähe anderer Fische musste ich missbrauchen, um an diesen Punkt zu gelangen? Viel. Sehr viel.
Mit jedem Entzug. Mit jeder Mission wie der Mission Goldfischentliebung wird es schlimmer. sTumPfe IcH mEHr aB. uNd VeRSTeckE mIcH HinTER DeM schlICk.
Und ich rase zu. Auf den Tag. Auf den Tag danach. Und den Tag nach dem Tag danach. An dem der Hauptstadtfisch kommt. Und neben mir schläft. Auf der anderen Seite. Mein kleiner süßer Mitaquarier. Hinter der Tür. Die auf meiner Seite von harter Tapete bedeckt ist. Ein Schrank steht davor. Rückt nicht beiseite.
Was für ein kleines krankes Fischherz. Blubb. blubb. es kann ja gar nicht reden. es schweigt ja schon wieder. und weigert sich. und flüchtet sich. große kulleraugen. ausgetrocknet. keine krokodilstränen mehr. keine wutausbrüche und kein feuerspeihen. es schläft vielleicht. tock tock tipp tipp. es mag nicht. es mag nicht reagieren. vielleicht ein koma? ein komatöses herzchen. wie herzzerreissend. traurig.
not flatlining yet. hope so.
Schauspiel
Ein ganz bestimmter Film ist Schuld, dass sich etliche Anfang- und Mittzwanziger beste oder gute Freunde versprechen, mit 30 zu heiraten, wenn sie bis dahin ihr Glück nicht gefunden haben. So auch ich. Und mein kleiner Mitaquarier. Mit jeweils jemand anderem. Aber nun wollen WIR heiraten. haha. Lustiges Schauspiel für unsere anderen Mitaquarier. Wir verbringen das Leben zusammen. Bald kommt das Kind. Und kuscheln und halten Händchen. Und genießen es so unendlich. Uns hinter diesem Schauspiel verstecken zu können.
Ich genieße es wirklich.
Aber nächste Woche.
Kommt der Hauptstadtfisch. Fisch A. Oder B.
Ein Experiment. Jawoll.
> 3000
Ansonsten passiert ja leider nicht viel. Außer dieser Ernst in meinem Leben. Und diese Bocklosigkeit. Und die Vorfreude. Auf das Danach.
Dies fand ich grad. Und fand’s passend. www.kurthalsey.com
„Wie überwinden?“
Tja. Gute Frage. Wenn ich das nur wüsste.
Wie überwindet man das Gefühl. Oder die Tatsache. Dass man dem Frieden nicht nie niemals trauen mag. Vielleicht müsste man mal gute Erfahrungen machen. Aber wie. Ohne. Die Fähigkeit. Zu vertrauen.
Während ich nun wieder in meinem Aquarium sitze. Nimmt der Hauptstadtfisch zu mir Kontakt auf. Er zeigt. Interesse. Und ich. Hatte doch schon. Beim Abschied. Beschlossen. Ihn nicht reinzulassen.
Ok. Nun mal Klartext.
Ich war da. Und habe realisiert. Dass meine Abwehrreaktion auf ihn. Die typische war. Ist ja irgendwie doch nicht mein Typ. Irgendwie. Passt. Das doch nicht. Nun stellt sich natürlich die Frage. Ist es. Wegen dieser Unfähigkeit (s.o.) oder ist es Was die anderen wohl denken. Oder ist es fehlende körperliche Anziehungskraft. [Unmöglich. Dann wäre ES ja nicht passiert.] The sex thing. What is it about sex that you say you don’t have because it doesn’t mean that much to you. But you have it anyways. And it doesn’t mean anything to you. While you have it. And you wake up. Carry me away from here. And it hasn’t meant anything to you. The sex thing.
Tja. Was ist es. Das mich so fühlen lässt.
Ich schäme mich. Ich empfinde Scham. Ich verachte mich. Denn. Ich kann es nicht lassen. Die Nähe zum Mitaquarier. Während mir der Hauptstadtfisch. Sagt. Er will. Mich. Wiedersehen. Ich fühle mich dem Mitaquarier um so näher.
Na klar. So musst du dich nicht auf den Hauptstadtfisch einlassen. Novalee. Wie einfach. Was fragst du dich noch. Was mit dir los ist. Es ist doch so einfach. Du schaltest den einen mit dem anderen aus. Du schaltest Fisch A mit Fisch B aus. So bist du fein raus. Denn aus keiner Sache wird etwas. Aus keiner von beiden.
Clever von mir. OdER?iCh.BIn.DocH.SehR.clEveR.Und.mIt.SicHerHeiT.fÜr.iMMeR. aUs.dEm.SchNeiDER.IcH.werDe.Vom.opFEr.
Zum Täter.
