Psssst….
Solange Novalee mit anderem Kram beschäftigt ist…
Sie ist schon wieder am Zweifeln. Und zu einem bestimmten Prozentsatz ist das auch ok. Sie ist eben unsicher. Mit allem. Mit sich selbst als Frau. Mit Vertrauen und Treue. Mit Schmerz und Leiden. Mit Tränen. Mit der Mauer um sich herum.
Sie hat Angst, alles zu vermasseln und alles zu zerstören, was sie sich geschaffen hat. Zu Recht. Aber was könnte das zerstören? Mangelnde Gefühle und der daraus resultierende Rückzug? Oder ist es nur die Angst?
Jedes Mal fragt sie sich das. Und jedesmal steht sie dann wieder alleine da.
Ich wünsche ihr, dass sie keine Fehler macht, obwohl sie sie bereits spürt.
Novalee, rede! REDE! REDE mit ihm darüber. [Hoffentlich hat sie es gehört. ]
It happened
Ich les mir mal nicht alles durch, was ich bisher zum Kleinen geschrieben habe. Sondern ich lasse es jetzt direkt aus mir herauspurzeln:
Es ist passiert. Der Kuss. Er ist passiert.
Und wie fühle ich mich?
Wie fühle ich mich?
Hallo?
Na gut, fragen wir mal anders. Wie habe ich mich gefühlt?
Gut. Ja gut.
Sind das jetzt Zweifel, die in mir hochsteigen? Nein. Es hat sich nichts geändert. Komisch ist nur, dass wir noch nicht drüber geredet haben. Er musste gehen.
Mein Kleiner. Mein süßer Kleiner.
Hoffentlich meine ich es ernst. Hoffentlich will ich es wirklich.
Novalees Köpfchen
KleineStadt. Mittwoch mittag.
Nachrichten zufolge sitzt eine gewisse Novalee in einer verzwickten Situation fest. Ort des Geschehens. Ihr Köpfchen. Wie von der Forschung immer wieder bestätigt: Das Hirn ist ein seltsames Geschöpf. Komplex. Die Hirnforschung verzweifelt regelmäßig an seinen schwarzen Löchern. Schwarze Löcher wurden jüngst auch in Novalees Fischhirn gefunden. Seitdem wird sie ruhiggestellt. Durch gelegentlichen Einsatz eines gewissen rationalen Sushimessers von einer bekannten Firma, der REALITÄT Gmbh . Dieses rationale Sushimesser achtet jedoch nicht auf die Feinheiten. Es reagiert lediglich. So steht es auch im Beipackzettel. Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihr zweites Ich oder halten Sie einfach die Klappe. Ihnen kann eh niemand helfen.
Und so trug es sich zu. Dass diese gewisse Novalee nach Einsatz des rationalen Sushimessers mehr als verwirrt zurückblieb. Und das Gefühl nicht loswurde, nur noch ein halber Fisch zu sein.
Was geschah?
Ein Tag zuvor: Novalee. In Aquariumgewöhnlichkeit. Traf sich mit dem Kleinen. Zum Kochen. Wie so oft. Aber ihr war unwohl. Das Sushimesser stach auf sie ein. Und rief die allseits bekannte Abwehrreaktion hervor – auf der einen Seite. Auf der anderen Seite hingegen. Führte es dazu, dass sie ihn lange lange von der Seite anstarrte und sich wünschte, sich an ihn kuscheln zu dürfen.
Zwei Botschaften. Unterschiedlicher Art. Führen zu Schizofischdasein.
Sie konsultierte also. Mich. Und ich weiß natürlich, was los ist.
Novalee hat folgendes Problem: Sie liebt nicht. Sie liebt nie. Sie lebt nur von dem Gefühl, geliebt werden zu wollen. Und wenn sie daran zweifelt, dann entsteht ein Sog. Ein Sog voll unglücklicher Sehnsucht. Die nicht erfüllt werden kann. Die niemals zu Glück führt. Der Sog ist in Wahrheit das schwarze Loch. Das sich ausbreitet.
Aus diesem Grund wurde Novalee nach Aussagen der REALITÄT GmbH aus dem Forschungsprojekt „Schwarze Gehirnlöcher“ entlassen. „Ein hoffnungsloser Fall, wir können aus ihr keine aussagekräftigen Daten generieren. Sie ist für uns nutzlos. In diesem Stadium macht das rationale Sushimesser, was es will. Mit anderen Worten: Sie ist abhängig. Und für unsere Zwecke nicht mehr geeignet.“
Novalee selbst hat bisher keinen Kommentar zu dem Geschehenen abgeben können. Sie irrt ohne Bewusstsein durch die Straßen. Und hält sich den Bauch. Niemand weiß, was geschehen wird.
Wenn Sie eine Petition verfassen wollen, die die REALITÄT GmbH dazu auffordert, Novalee wieder in das Programm aufzunehmen, nutzen Sie bitte die Kommentarfunktion.
Alles relativiert sich.
Und so muss ich mich wieder zurückziehen. Es ist doch Quatsch. Es ist doch alles Quatsch. Ich will das nicht. Ich will es nicht.
Es muss aufhören. Hier und jetzt und heute. Für immer.
Fischelein
Sie hatte es schon wieder getan. Sie hatte schon wieder drüber gesprochen. Hatte sich Rat geholt. Kritisch hinterfragen lassen. Bist du dir denn wirklich sicher? Oder ist es nur die Tatsache, dass ihr euch so nah seid [räumlich]? Ich weiß es ja nicht. Ich kann nur immer wieder die Frage stellen, wann man sich denn eigentlich sicher sein kann… dass man jemanden lieb hat. Was reicht aus?
- sich freuen, ihn zu sehen?
- ständig seine Nähe suchen?
- Herzklopfen haben, wenn man ihn berührt?
- ihm sekundenlang direkt in die Augen blicken können und wollen?
- ständig an ihn denken?
- nichts an ihm finden, das man nicht mag (charakterlich)?
Was daran ist wahr und was nur ein Strohfeuer?
Wir wurden unter dem selben Stern geboren. Dass wir uns kennen gelernt haben, war ein wundersamer Zufall. Es wurde möglich, nur weil meine Stimme sich wie durch Zauberkraft erhob.
Und trotzdem … beschleicht mich wieder und wieder die Angst, verletzt zu werden. Ich spüre den Schmerz, bevor er da ist. Es ist jedesmal, als werfe ich einen Blick in die magische Kugel. Als habe ich die Gabe, es zu wissen. Mich vorzubereiten. Doch trauen kann ich meinem Gespür nicht. Hoffe ich zumindest. Doch. Bisher traf alles zu. Aber auf dieses Gefühl zu vertrauen, würde bedeuten, für immer halbe Sachen zu machen. Verschlossen zu bleiben.
Kleiner, ich glaub…
… ich vermiss ihn ein bißchen. Ein ganz kleines bißchen… Nun haben wir uns seit Mittwoch nicht gesehen, weil er ausgeflogen ist… und es geht mir gut, weil ich weiß, dass er bald wieder da ist. Er hat mir zum Abschied sogar ein kleines Zettelchen in mein Zimmer gelegt. *schmacht* ach.. Ich hAb IhN jA sCHon gANz schÖN geRN. Und ich muss dran denken, was in mir abgehen würde, wenn er eine andere kennen lernen würde.
Und spätestens hier ist ja wohl klar, in welchem Desaster ich mich befinde.
Schon wieder.
Zwischen uns ist nichts klar. Und er ist schließlich frei. Kann tun und lassen, was er will. Und er soll auch nicht wissen, dass er mich damit verletzen würde. Ich will keine Spannungen in unserem heimeligen Aquarium.
Aber ich hab ihn wirklich lieb. Und freu mich, ihn wiederzusehen.
Novalee, du und deine neverending story. Es wird Zeit, dass du dich endlich mal voll und ganz einlässt. Keine halben Sachen mehr, Novalee.
Ist es denn mit ihm eine halbe Sache?
Solange er nichts von deinen Gefühlen weiß, JA!
Aber ich bin mir doch gar nicht sicher.
Wirklich nicht?
Ich weiß es nicht. Ab wann kann man sich denn sicher sein?
Du musst es spüren.
Ha. Danke für die Hilfe.
Warte ab.
Ja, was denn nun?
Vertraue auf das Schicksal.
Im Kampf gegen Nebel und Schlick.
Goldfisch-News
In der ganzen Hauptstadtfisch und KleinerFisch-Hysterie habe ich ganz vergessen, festzuhalten, dass ich den Goldfisch hinter mir gelassen und zugleich gewonnen habe.
Als ich am Muttertag immer wieder aufs Datum starrte und es mir vorkam, als habe ich irgendjemandes Geburtstag vergessen, mir aber nichts einfiel… war mir irgendwann klar… es war der Tag ein Jahr nach diesem Tag . Und es fiel mir partout nicht ein, obwohl ich schon so oft von genau diesem Tag gesprochen hatte.
Er hat neulich hier übernachtet. Und dann habe ich ein paar Tage drauf bei ihm übernachtet. Und es war nichts. Nichts. Nichts. Mehr da. Ich habe sogar an den Kleinen gedacht, während ich bei ihm war.
Wir konnten ganz entspannt miteinander reden, lachen. Es war schön und freundschaftlich. Ich habe es geschafft.
Jetzt aber wirklich.
Vor 3 Tagen entstand dies:
Der Kleine.
„You are always on my mind …“ geht Novalee durch den Kopf, als sie wieder einmal im Zug sitzt und gen Heimat juckelt.
Heimat.
„Home is where the heart is“. At home, da ist der Kleine. Der Kleine, mit dem sie noch immer nicht geklärt hat, was das alles eigentlich zu bedeuten hat. Die Sekunden direkten Augenkontakts. Die Umarmungen, die Minuten dauern, während man liebevoll den Arm des anderen streichelt. Das Gerede, das dem eines Pärchens gleicht. Die zwei Küsschen [jeder je einmal jeweils auf die Wange des anderen] – völlig unvermittelt und spontan.
Der richtige Kuss hat in Novalees Tagträumen schon längst stattgefunden – und das nicht nur einmal. Fast fühlt es sich so an, als sei es jedes Mal Realität gewesen. Vielleicht ist man verliebt, wenn es so weit gekommen ist.
Wäre da nur nicht der eine Punkt. Wäre da nur nicht der andere Punkt.
Punkt 1
Jeder falsche Schritt würde ein sehr fragiles Gleichgewicht zwischen Freundschaft und „Mehr“, zwischen Mitaquarier und Herzensfisch völlig zerstören. Novalee wusste, wie kritisch dies für den Aquariumsfrieden war – für ihr liebevolles und familiäres Zuhause, in das sich ihr Aquarium im letzten Jahr verwandelt hatte.
Punkt 2
Er war nunmal 10 cm kleiner als Novalee. Und Novalee wusste sehr genau, dass es keine Rolle spielen sollte. Und das hatte sie ja auch bisher nicht davon abgehalten, ihn mit anderen Augen zu sehen. Was aber, wenn wir das Aquarium verlassen? Was passiert, wenn sie mit ihrer Urangst konfrontiert wird, mit ihrer Ur-Sehnsucht: Anerkennung von außen.
[Dann setzte sich jemand neben sie und sie hörte auf zu schreiben.]
Metamorphose
… der horrenden Art.
Dies ist kein Witz.
Ich verwandle mich in einen männlichen Fisch. Mit mir stimmt etwas nicht. Am ganzen Körper wachsen dunkle Haare.
Dies ist wirklich kein Witz.
Ich habe Angst.
Ich verwandle mich. Und weiß nicht, warum. Was passiert mit mir? Viel mehr ertrage ich nicht. Ich schließe mich ein.
Was geht hier vor?
Täter-Novalee
Der Hauptstadtfisch hat mir übrigens signalisiert, dass das Wochenende sehr schwer war für ihn. Und ich rechne es ihm hoch an, dass er mir das nicht vermittelt hat, als er da war. Obwohl… vielleicht hätte man dann besser drüber reden können. Er hat so getan, als wäre alles ok. Aber das war es nicht. Und das weiß ich auch. Ich habe ihn in eine äußerst beschissene Situation gebracht. Am liebsten wär ich ganz schnell davongerannt. Es tut mir wirklich leid. Ich war superdistanziert. Und habe ihn nicht mehr an mich herangelassen. Habe um mich herum die Mauer aufgerichtet. Und er hat es nicht gewagt, sie zu berühren. Obwohl er es gern getan hätte. Ich hätte dich so gerne die ganze Zeit in den Arm genommen. Aber ich hätte es nicht gekonnt. Ich hätte es nicht zulassen können. Es ging nicht.
Der Kleine war in meinen Gedanken. In meinen Gefühlen.
Und ist es.
Nach
wie
vor.