Sturm vor dem Sturm
Novalee saß in ihrem Aquarium und fragte sich, was mit ihr los war. Schon wieder dieses diffuse Gefühl der Angst, dieses diffuse Gefühl des Verlustes. Dabei war es doch normal. Novalees Leben würde sich in vermutlich sogar weniger als 2 Monaten komplett verändern. Ein neuer Lebensabschnitt wartete auf sie und wieder gesellte sich die Unruhe dazu, die mit der Hoffnung einherging, Altes und Neues zu einem neuen schönen Ganzen zusammensetzen zu können. Allen voran steht der Kleine. Sie liebte ihn abgöttisch und genoss es so sehr, jede Nacht in seiner Nähe sein zu dürfen, Tage des Stresses zu erleben und ihm abends in die Augen schauen zu können. Doch während alle anderen Pärchen zusammenrückten, rückten sie auseinander. Bewusst und sachlich. Sich gegenseitig versichernd, dass es klappen wird. Aber Novalees Angst stieg immer weiter in ihr hoch und sie wünschte sich, bei ihm bleiben zu können, obwohl sie doch ebenso gerne diese neue Umgebung wollte.
Was wird passieren, wenn es nicht klappt? Wenn ihre Unsicherheiten sie dazu bringen, sich entweder immer mehr an ihn zu klammern oder immer weiter von ihm zu entfernen. Novalee stiegen die Tränen in die Augen. Wir sind nunmal kein normales Paar. Wieso sollte ich es jetzt erzwingen? Sie hatten sich in vertrauter Umgebung lieben gelernt. Nun ging sie. Während er blieb. Aber ebenfalls zu bleiben, würde bedeuten, dass sie ihre eigenen Ziele aus den Augen verliert. Das würde weder ihn noch sie glücklich machen.
Es gab noch viel zu tun. Es stand noch ein gemeinsamer Urlaub auf dem Plan. Der sie sicherlich noch enger zusammenschweißen würde. Und dann – von heute auf morgen – wird es heißen: getrennte Lebensräume.
Und so saß sie dort. Und fühlte sich komisch. Und verlor den Mut. Ein wenig.
Das erste Mal
Das erste Mal ist nicht immer etwas Gutes. Mein erster Kuss auf der Toilette mit 8 zählt nicht. Und gut war er auch nicht. Mit 15 kam dann der zweite erste Kuss. Ich war ein Spätzünder. Und der Typ hat gesabbert. Eine Erfahrung, die nach mir sicherlich noch viele machen mussten. Bäh. Das erste Mal Sex war eine Katastrophe. An einem Ort, der denkbar ungeeignet für das erste Mal war. Keine Romantik. Noch nicht mal Lust. Nur der Gedanke Wenn er schon fragt, dann kann ich es jetzt ja auch hinter mich bringen. Schließlich war ich schon so alt, dass ich befürchtete, es niemals zu einer sex-habenden Frau zu bringen. Er hat mir nichts bedeutet. Und ich war froh, als wir gestört wurden und ich ihn in die kalte Nacht verbannen konnte. Der erste One-Night-Stand = Das erste Mal Sex. Alles eine Suppe. Unspektakulär. Der erste Freund. Mit 16. Katastrophe. 3 Monate, davon die Hälfte gehörnt. Super erste Erfahrung. Ach, und übrigens: der erste Sex kam übrigens nach dem ersten Freund. Und nach dem zweiten… ähhöm…
Und nun. Das erste Mal. Das erste Mal die drei Worte sagen. Das allerallerallererste Mal. Es war einer der schönsten Momente in dieser Beziehung, einer der schönsten Momente dieses Lebens. Ich habe lange mit mir gehadert, wann… wo… wie… ob! Es kam mir immer komisch vor. Falscher Zeitpunkt. Falscher Ort, falsche Intention. Aber nun. Kam es, weil es kommen musste. Weil es richtig war und weil es passte und weil ich es mehr als je zuvor gefühlt habe.
Kurz vor’m Match
Deutschland spielt. Na und? Wen interessiert es denn, wenn Novalee mal wieder in einer Krise steckt? Alle. Nur Novalee nicht. Die steckt in einer Krise. Und welche Krise ist es? Die normal zyklisch einmal im Monat auftretende gleiche Sch****. Aber jedes Mal ein Drama. Welche Dinge gehen ihr heute durch den Kopf?
- Liebt der Kleine mich eigentlich wirklich?
- Warum hab ich keine Freunde?
- Warum bin ich immer so zickig und unentspannt?
- Was wird aus meinem Leben werden?
Alles Fragen, die man sich nicht stellen muss. Gut. Nummer 2 ist angesichts der Tatsache, dass Novalee immer viele Freunde gehabt hatte, doch eine interessante Frage. Alles andere ist der besonderen Situation des quasi Absolventen-Daseins geschuldet. Wobei Nr. 1 eine besondere Stellung einnimmt. Es ist der Beweis dafür, dass es so nicht weitergehen kann. Das Klammern. Das Leben-Ausrichten nach dem Kleinen. Das alles.
Novalee schwimmt so langsam wie schon lange nicht mehr. Na und? Früher war sie immer zu schnell. Zu gestresst. Jetzt ist sie langsam. Und gestresst… ist sie auch. Mist verdammter… Der Ehrgeiz ist dabei nämlich leider flöten gegangen. Der Ehrgeiz. Das Was.Erreichen.Wollen. Weg. Weg. Weg. Da kommt Ekel auf. Ekeliger Ekel.