Die Strömung
Novalee legte auf und fragte sich, warum es sie immer wieder überkommen musste. Immer wieder Enttäuschung. Was daran aber besonders merkwürdig war, war die Tatsache, dass sie Nacht für Nacht träumte, wie es vorbei war. Zwischen ihr und dem Kleinen. Was hatte das zu bedeuten? Waren die Träume der Beweis dafür, dass die Liebe zwischen ihnen nicht mehr ausreichte? Oder das Indiz dafür, dass die Angst vor Verlust sie weiter auseinander treiben ließ? Es machte sie traurig und betroffen, wie sehr die Gefühle abgekühlt waren. Große Emotionen fanden meist in den Enttäuschungen statt. Immer wieder redete sie sich ein, dass es mehr Zeit bräuchte. Aber nun waren bereits 8 Monate vergangen seit der großen Krise. Wieviel Zeit brauchte sie? Da lag sie nun in ihrem Bett. Mit trauriger Musik und dem Laptop auf dem Schoß, der jederzeit drohte sich aufgrund von Überhitzung zu verabschieden. Der Fernseher lief stumm. Bilder von Beerdigungen und Toten. Und sie tippte. Tippte über Novalee. “Bin ich das wirklich?” fragte sie sich. Sie hatte einen Urlaub vor sich. Auf den sie sich nicht freute. Die Gedanken kreisten. Die Gefühle starben vor sich hin. “Rationales Sushimesser?” Abwarten und Tee trinken. Wie lange noch?